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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts drohte die St.-Martins-Kirche
zu Mackenrode aus allen Nähten zu platzen, denn die Gottesdienste
wurden von weitaus mehr Personen besucht, als das 1787 erbaute
Kirchlein fassen konnte. Daher beschloss der Kirchenvorstand im
Jahr 1919, das nur knapp 80 Quadratmeter umfassende Gebäude
zu erweitern, was unter Leitung von Pfarrer Adolf Knoch in den
Jahren 1929/1930 auch realisiert werden konnte. Sicher ahnte zunächst
niemand, dass hier eines der beliebtesten Fotomotive im Eichsfeld
geschaffen würde. Seither aber zählt die St.-Martins-Kirche
mit ihren beiden Fachwerkgiebeln hier zu Lande zu den schönsten
Dorfkirchen. Eine Fotografie dieses Gotteshauses stelle für
so manch einen seiner Bekannten in der Diaspora eine eindrucksvolle
Erinnerung an das Eichsfeld dar und verschönere daher dessen
Wohnung, so lobte Propst Heinz-Josef Durstewitz die Kirche jüngst.
Doch zunächst noch einmal 80 Jahre zurück: Der Innenausbau
der Kirche erfolgte nach der Erweiterung komplett in barockem
Stil. Ein bayerischer Barockhochaltar ziert seit dieser Zeit das
Gotteshaus. Pfarrer Knoch konnte ihn gebraucht aus dem Allgäu
beschaffen. Bemerkenswert: Bis in die heutige Zeit gibt es in
allen neuen Bundesländern keinen zweiten bayerischen Barockhochaltar,
wie der Erfurter Theologe und Kirchenhistoriker Mackenröder
Abstammung Torsten W. Müller recherchiert hat. Pfarrer Knoch
schaffte damals außerdem zwei Seitenaltäre, eine Kommunionbank
und zwei Beichtstühle im Barockstil ebenfalls gebraucht an.
Das Altarbild, das eine nachösterliche Szene darstellt, wurde
1931 von der Königlichen Hoheit Prinzessin Mathilde Herzogin
zu Sachsen gemalt, und zwar unentgeltlich. Zur Einweihung kam
sie sogar persönlich nach Mackenrode. Jahre später,
in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, fehlte jedoch
plötzlich ein Zelebrationsaltar in barocker Form. Freilich
gab es einen solchen am Hochaltar als Unterbau des Tabernakels.
Er wurde gleichwohl 1970 von Pfarrer Albin Metze in der Mitte
des Altarraumes platziert, denn hier zelebrierte nun der Priester
den Gottesdienstbesuchern zugewandt die Heilige Messe. Allerdings:
Der Tabernakel mit dem Allerheiligsten war jetzt auf einem einfachen
Paramentenschrank abgestellt. 1994 machte Pfarrer Raimund Fahrig
diesen Umstand rückgängig und schaffte anstatt dessen
einen Zelebrationsaltar aus schlichtem Holz an. Was über
diese Notlösungen hinaus also lange Zeit fehlte, waren ein
neuer barocker Zelebrationsaltar und auch ein dazu passendes Ambo.
Beides wurde nun nach Bemühungen des Kirchenvorstandes und
anderer Personen vom einheimischen Tischlermeister Dominik Gille
geschaffen. Dessen Vater Werner hatte sich viele Jahre zuvor bereits
mit dieser Thematik beschäftigt. Leider verstarb er vor fünf
Jahren, sodass der Juniorchef nun das Werk vollendete. Den neuen
Altar sowie das Ambo und auch einen Osterkerzenständer (den
Küster Winfried Albrecht aus einem alten Liedanzeige-Ständer
umbaute) wurden in der Werkstatt "Kruse Restaurierungen"
in Kreuzebra mit barock anmutender Marmoriertechnik gestaltet.
Am 14. Februar war es dann soweit: Propst Durstewitz benedizierte
im Beisein vom zuständigen Ortspfarrer Winfried Hesse aus
Wüstheuterode im Sonntagsgottesdienst die neue Ausstattung.
Wie der bischöfliche Kommissarius aus Heiligenstadt in seiner
Predigt betonte, wurde die Kirche nun durch Altar, Ambo sowie
Osterkerzenständer im Barockstil vollkommener. Ins Schwärmen
gekommen unterstrich er nicht nur die äußere Schönheit
des Gotteshauses, die auf vielen Fotos festgehalten wird. Auch
wenn im benachbarten Pfarrhaus leider kein Pfarrer mehr wohne
und künftig ein Seelsorger noch seltener in den kleinen Ort
Mackenrode kommen könne, träfen hier in der Kirche bei
jeder Versammlung im Namen Christi dennoch Himmel und Erde zusammen.
Diese Kirche sei daher "unendlich liebenswert". Mit
Blick auf die anwesenden Kinder wünschte der Propst sich,
dass der Glaube auch in den Händen der nachfolgenden Generationen
gut aufgehoben sei.
Matthias Werner
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