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09.03.2010
"Unendlich liebenswert"
Propst benediziert neuen Barockaltar

   

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts drohte die St.-Martins-Kirche zu Mackenrode aus allen Nähten zu platzen, denn die Gottesdienste wurden von weitaus mehr Personen besucht, als das 1787 erbaute Kirchlein fassen konnte. Daher beschloss der Kirchenvorstand im Jahr 1919, das nur knapp 80 Quadratmeter umfassende Gebäude zu erweitern, was unter Leitung von Pfarrer Adolf Knoch in den Jahren 1929/1930 auch realisiert werden konnte. Sicher ahnte zunächst niemand, dass hier eines der beliebtesten Fotomotive im Eichsfeld geschaffen würde. Seither aber zählt die St.-Martins-Kirche mit ihren beiden Fachwerkgiebeln hier zu Lande zu den schönsten Dorfkirchen. Eine Fotografie dieses Gotteshauses stelle für so manch einen seiner Bekannten in der Diaspora eine eindrucksvolle Erinnerung an das Eichsfeld dar und verschönere daher dessen Wohnung, so lobte Propst Heinz-Josef Durstewitz die Kirche jüngst. Doch zunächst noch einmal 80 Jahre zurück: Der Innenausbau der Kirche erfolgte nach der Erweiterung komplett in barockem Stil. Ein bayerischer Barockhochaltar ziert seit dieser Zeit das Gotteshaus. Pfarrer Knoch konnte ihn gebraucht aus dem Allgäu beschaffen. Bemerkenswert: Bis in die heutige Zeit gibt es in allen neuen Bundesländern keinen zweiten bayerischen Barockhochaltar, wie der Erfurter Theologe und Kirchenhistoriker Mackenröder Abstammung Torsten W. Müller recherchiert hat. Pfarrer Knoch schaffte damals außerdem zwei Seitenaltäre, eine Kommunionbank und zwei Beichtstühle im Barockstil ebenfalls gebraucht an. Das Altarbild, das eine nachösterliche Szene darstellt, wurde 1931 von der Königlichen Hoheit Prinzessin Mathilde Herzogin zu Sachsen gemalt, und zwar unentgeltlich. Zur Einweihung kam sie sogar persönlich nach Mackenrode. Jahre später, in der Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, fehlte jedoch plötzlich ein Zelebrationsaltar in barocker Form. Freilich gab es einen solchen am Hochaltar als Unterbau des Tabernakels. Er wurde gleichwohl 1970 von Pfarrer Albin Metze in der Mitte des Altarraumes platziert, denn hier zelebrierte nun der Priester den Gottesdienstbesuchern zugewandt die Heilige Messe. Allerdings: Der Tabernakel mit dem Allerheiligsten war jetzt auf einem einfachen Paramentenschrank abgestellt. 1994 machte Pfarrer Raimund Fahrig diesen Umstand rückgängig und schaffte anstatt dessen einen Zelebrationsaltar aus schlichtem Holz an. Was über diese Notlösungen hinaus also lange Zeit fehlte, waren ein neuer barocker Zelebrationsaltar und auch ein dazu passendes Ambo. Beides wurde nun nach Bemühungen des Kirchenvorstandes und anderer Personen vom einheimischen Tischlermeister Dominik Gille geschaffen. Dessen Vater Werner hatte sich viele Jahre zuvor bereits mit dieser Thematik beschäftigt. Leider verstarb er vor fünf Jahren, sodass der Juniorchef nun das Werk vollendete. Den neuen Altar sowie das Ambo und auch einen Osterkerzenständer (den Küster Winfried Albrecht aus einem alten Liedanzeige-Ständer umbaute) wurden in der Werkstatt "Kruse Restaurierungen" in Kreuzebra mit barock anmutender Marmoriertechnik gestaltet. Am 14. Februar war es dann soweit: Propst Durstewitz benedizierte im Beisein vom zuständigen Ortspfarrer Winfried Hesse aus Wüstheuterode im Sonntagsgottesdienst die neue Ausstattung. Wie der bischöfliche Kommissarius aus Heiligenstadt in seiner Predigt betonte, wurde die Kirche nun durch Altar, Ambo sowie Osterkerzenständer im Barockstil vollkommener. Ins Schwärmen gekommen unterstrich er nicht nur die äußere Schönheit des Gotteshauses, die auf vielen Fotos festgehalten wird. Auch wenn im benachbarten Pfarrhaus leider kein Pfarrer mehr wohne und künftig ein Seelsorger noch seltener in den kleinen Ort Mackenrode kommen könne, träfen hier in der Kirche bei jeder Versammlung im Namen Christi dennoch Himmel und Erde zusammen. Diese Kirche sei daher "unendlich liebenswert". Mit Blick auf die anwesenden Kinder wünschte der Propst sich, dass der Glaube auch in den Händen der nachfolgenden Generationen gut aufgehoben sei.

Matthias Werner

 

Die Kinderschola gestaltete den Gottesdienst mit
Harmonisch fügen sich Ambo, Altar und Osterkerzen-
ständer in den Altarraum ein
Segnung des neuen Ambos
Verkündigung des Evangeliums vom neuen Ambo
durch Pfarrer Hesse
Segnung des neuen Altares
Vater unser - alle Kinder sind am neuen Altar

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